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Saison 2019 Halbjahresbilanz

Ende Juni, die erste Hälfte des Jahres ist vorbei und dieses Jahr gilt das auch für meine Golfsaison. Ich habe Ende Januar bereits mit der Turniersaison begonnen und seither 12 Turniere gespielt. Nach einem guten Start in Australien und einem erfolgreichen Turnier in Gams lernte ich die Kehrseite des Sports kennen. Wenn es gut läuft, ist alles einfach aber wenn es nicht läuft, wird plötzlich alles schwierig – eine positive Einstellung an den Tag zu legen, das Selbstvertrauen aufrecht zu erhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen. Sich im Bett verkriechen hört sich nach einer sehr verlockenden Lösung an, aber jeder weiss, das nützt nichts. Man muss die Wunden offen legen, analysieren und sich Schritt für Schritt aus dem Tal der Tränen rausziehen. Wenn man das schafft, kann man auch wirklich stolz auf sich sein! Diese Entwicklung habe ich in den letzten fünf Wochen durchgemacht…

Beim ersten Turnier in Spanien habe ich einen Entscheidungsfehler gemacht, der zu einem schlechten Schlag, einer schwierigen Lage und schlussendlich zu einer 10 geführt hat. Es war ein schwieriger Platz, ich hatte gekämpft und gut gespielt und dann diese 10…das war wie ein Schlag ins Gesicht. Auf der Runde habe ich es nicht gleich geschafft, mich davon zu erholen. Aber in den folgenden Tagen dachte ich, hätte ich mich erholt und die Unsicherheit und Enttäuschung hinter mir gelassen.

Das nächste Turnier in Evian – mit 5890m ein langer Platz mit dickem Rough – bin ich wieder mit grosser Zuversicht angegangen. Aber auch hier unterliefen mir während den ersten beiden Runden drei grobe Fehler. Nur drei Fehler über 36 Löcher, könnte man denken. Aber im Golf sind drei Fehler drei Fehler zu viel. Ich war wütend aber auch sehr enttäuscht. Aber gut, schauen wir weiter…33 Löcher habe ich ja gut gespielt, also kann das gute Resultat nicht weit weg sein.

In der nächsten Woche ging es wieder in die Westschweiz nach Lavaux. Gleich auf dem ersten Loch unterlief mir ein kleiner Fehler aber ich versuchte ruhig, positiv und konzentriert zu bleiben. Das gelang mir gut bis auf das 8te Loch. Und wieder ein Fehler mit grober Auswirkung…ich konnte es fast nicht glauben – wieso passiert mir das jetzt immer? Das Positive war, ich fiel nicht auseinander, ich konnte das Score zusammenhalten aber der Fehler war halt notiert. Auf der zweiten Runde wollte ich dann wieder angreifen. Gut war, dass mir keine groben Fehler unterliefen aber dieses Mal gingen die Putts nicht rein. Es war zum verzweifeln und das war ich…ich war verzweifelt, wütend, enttäuscht und traurig. Kann man das alles fühlen? Ja, es ging mir nicht so gut und das erstaunte mich! Normalerweise bin ich jemand, der immer das Positive sehen kann und weiter schaut aber diese drei Turniere haben es mir richtig angetan. Es war erstaunlich schwierig für mich, positiv zu bleiben und Zuversicht zu haben.

Noch zwei Turniere in Finnland und Schweden standen auf dem Programm, bevor es eine Pause gab…also musste ich jetzt irgendwie das Ruder rumreissen. Ich freute mich darauf, ich habe sehr gute Erinnerungen an Turniere in beiden Ländern. Und daran hielt ich mich fest, um mir ein positives Gefühl zu vermitteln.

Mein erstes Ziel war, den Bann zu brechen und wieder einen Cut zu machen. In Finnland war ich immer auf Cut Kurs bis zum 34 Loch, da unterlief mir ein gröberer Fehler und ich verlor zwei Schläge. Ich war sehr sehr wütend…doch irgendwie wusste ich, dass ich es noch rumreissen kann und mit einem Birdie auf dem letzten Loch (einem erreichbaren Par 5) den Cut doch noch schaffen kann. Und so konnte ich meine Wut bündeln und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Das Birdie gelang mir und ich war glücklich, endlich den Bann gebrochen zu haben. Zwar waren immer noch der einte oder andere Fehler dabei aber es werden weniger und ich war endlich wieder an einer Finalrunde dabei und hätte das Birdie nicht einmal gebraucht. 🙂

Mit diesem positiven Erlebnis flog ich weiter nach Schweden. Hier wollte ich nachdoppeln, den Cut machen und mein Selbstvertrauen weiter stärken…step by step. Die ersten drei Löcher sind kürzere, einfachere Löcher, auf denen man ein gutes Score aufbauen kann. Ich stand am Start und wollte wie immer Wasser und Bananen mitnehmen. Leider gab es nur Wasser mit Kohlensäure – das gibt es nie und vertrage ich auch nicht auf der Golfrunde!- …super, ich stand am Start vor einer 5 Stunden Rund ohne Wasser. Nach zwei Löcher bin ich ins Clubhaus gerannt und habe 3 Liter Wasser gekauft und schnell weiter gespielt. Gut, Wasser hatte ich aber ich lag 3 über nach 4 Löcher…wie dumm ist das denn, die einfachen Löcher zu Beginn der Runde schlecht spielen. Aber ich habe mir vor dem Turnier gesagt, dass ich einfach ruhig und positiv bleiben muss, egal was passiert. Das gelang mir sehr gut. Ich war fast ein bisschen beängstigt, wie positiv ich war…aber es zahlte sich aus. Ich beendete die Runde mit +3. Ich wusste, dass der Cut bei +4 liegen würde und so musst ich alles geben auf der zweiten Runde. Auf Loch 12 hatte ich etwas Pech und lag dann +5 total. Jetzt kein Fehler mehr auf den letzten 6 Löchern und ein Birdie muss noch her! Das letzte Loch war ein erreichbares Par 4, das wusste ich aber auf der 16 lag ich auf einem Par 5 so, dass ich mit etwas Risiko das Green erreichen konnte. Aber wenn ich es nicht treffen, dann kann ich richtig dick in der “Scheisse” sein. Risiko oder nicht? Alles auf das letzte Loch setzten oder nicht? Ich entschied mich für das Risiko und es hat sich ausbezahlt. Mit einem meiner besten Schläge schlug ich den Ball aufs Green und zweiputtete zum Birdie. Nun nur noch das nächste Loch, ein schwieriges, enges Par 5 überstehen und dann kann ich nochmals angreifen auf dem letzten Loch. Mit zwei Pars und +4 habe ich den Cut gerade gemacht. Ich war sehr stolz auf mich, wie ich nach den ersten drei Löchern positiv geblieben bin und wie ich die letzten 6 Löcher gekämpft und gut gespielt habe!

Ich habe es geschafft mich mit harter Arbeit Schritt für Schritt aus der Negativspirale zu befreien

Jeeee -Final Day here we come…ich wollte angreifen und das gelang mir relativ gut auf den ersten neun Löcher. Auf den Backnine spielte ich nur Bogeys und Doppelbogeys…was passiert da gerade habe sich alles gedacht, die nur das Score sahen. Wie kann sie 45 Löcher super spielen und dann wie ein Anfänger??? Ich hatte Schmerzen in der rechten Hand. Seit einer Weile verspüre ich wieder Schmerzen in der rechten Hand, hatte es jedoch gut im Griff. Wahrscheinlich waren 5 Turniere am Stück zu viel und auf der 10 musste ich einen Befreiungsschlag machen mit etwas mehr Divot und das hat alles wieder mehr gereizt. Ich hatte darauf Angst, mit den Eisen in den Boden zu schlagen und so wich ich aus und es ging einfach nicht mehr. Aber ich wollte nicht aufhören, ich katte zu gut gekämpft. Bei einer Aufgabe gibt es keine Punkte auch wenn ich den Cut gemacht habe…also spielte ich weiter, nicht gut aber irgendwie.

Ja, es ist nicht einfach…zuerst kämpfe ich gegen mich, gegen die negativen Gedanken – für mehr Selbstvertrauen. Schlag für Schlag. Tag für Tag. Ein langer und harter Prozess und als ich es endlich geschafft hatte, kommt der Schmerz zurück und trifft mich so hart, dass ich eine Pause einlegen muss.

Aber ich kann diese Turnierpause auch zu meinem Vorteil nutzen, indem ich die Geschehnisse mit etwas Abstand und ohne Einfluss eines anderen Turniers betrachten kann. Wie bin ich überhaupt in diesen Schlamassel geraten, wie konnte ich es so weit kommen lassen und wie konnte ich mich wieder davon befreien? Das soll mir in Zukunft helfen, mich nicht so schnell verunsichern zu lassen und die positiven Erinnerungen in den Vordergrund zu rücken.

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