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VP Bank Ladies Open 2019

Der Druck am eigenen Turnier zu Hause zu spielen ist anders als an jedem anderen Turnier. Alle denken es sei einfacher, da ich den Platz besser kenne als die anderen Spielerinnen…doch was alles neben dem Turnier abläuft und wie es in mir drin aussieht, sieht man von aussen nicht.

Dieses Jahr war ich vor dem Turnier für die Einladungen, das Spielerhotel, der Flughafentransfer und der Hotel/Golf Transfer verantwortlich. Dies waren alles Aufgaben, die ich vor dem Turnier abschliessen konnte…ich hatte am Tag, bevor ich nach Marokko flog, alles erledigt. Das Turnier in Marokko eine Woche vor dem VP Bank Ladies Open kam mir zeitlich entgegen. Ich konnte zwar im Vorfeld nicht so viel trainieren, da das Wetter es nicht zuliess und ich noch krank war aber vor dem VP Bank Ladies Open etwas Abstand zu gewinnen und Turniergolf zu spielen, war super. Meine Schwester Monja kam als Caddy mit und wir hatte viel Spass auf dem Platz. Obwohl ich den Cut verpasst hatte, wusste ich, dass mein Spiel für Gams passt und da ich auch im Turniermodus drin war, musste ich also “nur” noch mental dem Druck standhalten.

Im Vorfeld wurde viel über den Mätzler-Mix, die neue Matchplay Formel für Sonntag, die mein Vater erfunden hatte, diskutiert. Es war überall ein Thema, in den Medien, auf der LET, auf der Access und auch bei uns zu Hause. Umso grösser war mein Wunsch, am Sonntag mit dabei zu sein – ich wollte diese spezielle Weltpremiere unbedingt miterleben. Dies steigerte den Druck für mich zusätzlich. Als ich Marokko im Kopf abgeschlossen hatte und mich auf Gams konzentrierte, spürte ich den Druck, die Nervosität, das Kribbeln…

Während der Vorbereitung in der Turnierwoche hatte ich noch ein paar Aufgaben als Turnierbotschafterin, wie zum Beispiel der Studiotalk im TVO, die Eröffnung des Marina Walensee Resorts oder die Präsentation am Pro Am Dinner. Am Donnerstag Abend um 22 Uhr fiel ich dann todmüde ins Bett. Zum Glück hatte ich am Freitag eine Nachmittagstartzeit, so konnte ich mich zu Hause in Ruhe auf die erste Runde vorbereiten. Mental bin ich den ersten Abschlag in den letzten Wochen 100 Mal durchgegangen…wie werden wir Richtung Abschlag laufen, wo werde ich stehen, wo steht mein Caddy, wie fühlt sich die Nervosität an, welchen Schläger nehme ich, wo ziele ich hin, wie läuft meine Pre Shot Routine ab, wie Schlage ich den Ball und wo fliegt er hin. Alles habe ich mir möglichst genau vorgestellt und verinnerlicht…immer mit einem guten Schlag als Resultat! Ich denke dieses mentale Training hat mir die Nervosität vor dem ersten Abschlag etwas genommen. Ich konnte mich wirklich gut auf meine Aufgabe, meine Ziele und den Ablauf konzentrieren. Auf dem Platz war ich generell weniger nervös als in den Wochen und Tage zuvor, als ich an das Turnier dachte. Ich konnte mich sehr gut auf den Moment konzentrieren. Die erste Runde lief ohne grössere Ausrutscher, weder nach oben noch nach unten, ab. Mit +1 lag ich gut dabei. Der Cut lag zwischen +1 und +2 (genau 48 ohne ties qualifizierten sich). Die zweite Runde begann dann super, bis ich auf der 8 einen langen Bunkerschlag dünn erwischte und ins Out beförderte. Ich musste im Bunker droppen und den gleichen Schlag nochmals spielen…was mache ich, riskiere ich an die Fahne zu spielen, um das Doppelbogey zu retten oder spiele ich auf sicher und nehme die 7? Ich ging auf alles und rettete die 6. Damit setzte ich mir ein starkes Zeichen, womit ich mir bewies, dass ich mental on point bin. Ich konnte mit einem Bridie nachdoppeln und war jetzt richtig in Fahrt…leider kam dann der Regen/Sturm. Wir kämpfen in wirklich harten Bedingungen um jeden Schlag. Der Regen liess nach aber der Wind kam mehr und mehr und damit auch die Kälte. Es war nicht einfach. Ich rettete +2 ins Clubhaus und bangte um den Cut. Doch schnell war klar, dass meine +3 reichen würde…ich habe es tatsächlich geschafft…ich habe dem Druck standgehalten und mich für den Mätzler-Mix qualifiziert! Ich war schon etwas stolz auf mich.

Die zweite Runde musste am Samstag Abend unterbrochen und am Sonntag Morgen fertig gespielt werden. Am Sonntag als ich aufwachte lag Schnee…überall lag Schnee ausser in Gams! Sie konnte die Runde wirklich um 8:15 Uhr bei 0 Grad beenden. Damit war aber der Mätzler-Mix, welcher über drei Runden à 9 Loch gespielt wird, im Verzug. Die Formel wurde auf zwei Runden verkürzt. Ich war die schlechter qualifizierte Spielerin, was bedeutete, dass ich bei Gleichstand verlieren würde. Leider unterlief mir am ersten Loch ein Fehler und den büsste ich über alle 9 Löcher ein. Meine Gegnerin machte keinen Fehler, von dem ich profitieren konnte und ich spielte danach zwar gut, hätte aber mehr Birdies brauchen können…und so verlor ich in der ersten Runde. Es ging sehr schnell und ich war auch enttäuscht…aber ich muss mich folgendes fragen: War ich mit den Gedanken da? Ja. War ich an einem Schlag verunsichert? Nein. Habe ich alle nötigen Abwägungen gemacht? Ja. War ich abgelenkt? Nein. – wenn ich mir die Fragen so beantworten kann, dann kann ich mir nichts vorwerfen, sondern es wollte einfach nicht sein. Im Strokeplay wäre es ein gutes Resultat gewesen…

Das VP Bank Ladies Open 2019 wird mir immer in spezieller Erinnerung bleiben und ich möchte mich auch bei allen Beteiligten für dieses Erlebnis bedanken – bei den Sponsoren, der Turnierorganisation, der Tour, dem Golfclub und den vielen freiwilligen Helfern, die bei 0 Grad und Wind draussen standen!! Ganz herzlich möchte ich mich auch bei allen Freunden und Fans bedanken, die sich in die Kälte gewagt haben und mich vor Ort unterstützt haben!!

Und natürlich bei meiner Familie und meinem Freund…euere Unterstützung bedeutet mir alles!!! Aaaaaaand my Caddy, Gian Luca, du hattest keinen einfachen Job dieses Jahr…danke!!

Papi, der Mätzler-Mix hat Geschichte geschrieben!!!

Bis bald, Melanie

Fotocredit: André Engelmann, Daniel Stauffer, Tristan Jones

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